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Kranich, Wildgans oder was?

Jetzt beim Vogelzug gehen die Blicke der Vogelgucker oft nach oben. Manchmal ist es kein Keil ziehender Kraniche, der dort in in V-Formation am Firmament entlang fliegt, denn manche ziehenden Vogelkeile am Himmel werden nicht von Kranichen gebildet, werden aber für solche gehalten. Wir erklären, worauf man bei der Vogelbestimmung achten sollte.

Wie unterscheide ich ziehende Kraniche und Wildgänse?

Hier wollen wir erklären, wie man Kraniche und ziehende Wildgänse unterscheiden kann. Das ist manchmal gar nicht so einfach, denn beide haben ein ähnliches Zugverhalten und oft auch gemeinsame Rastgebiete. Zudem ähneln sich auch ihre Flugbilder – das führt dazu, dass gerade Einsteiger die Vogelarten nicht immer auseinanderhalten können. Deshalb geben wir hier einige Hilfen zur Vogelbestimmung und zeigen die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale auf. Denn Ihr sollt die Zugvögel ja auch auseinander halten können, wenn kein birdingtours-Guide in der Nähe ist...

Kranich Finnland Thomas Griesohn-Pflieger
Kranich (T. Griesohn-Pflieger)
Graugans Deutschland Christoph Moning
Graugans (C. Moning)

Bei den oben abgebildeten Flugbildern kann man die Unterschiede zwischen Kranich und Graugans gut erkennen. Kranichflügel wirken eher eckig, denn ähnlich wie bei Geiern und Adlern haben sie sehr lange Federn an den Flügelenden (Handschwingen). Das liegt daran, weil sie auf ihren weiten Flugstrecken über Land thermische Aufwinde dann besser nutzen können. Dagegen können Gänse nicht wirklich im Aufwind kreisen und so Höhe gewinnen. Störche, Kraniche und alle großen Greifvögel können das aber. Gänseflügel sind spitz und da ihr Flügel anders gebaut ist, können sie auch nicht kreisen, was Kraniche auf dem anstrengenden Zug bei jeder Gelegenheit tun, um Kraft zu sparen. Und die Wildgänse sind ein ganzes Stück kleiner als Kraniche. Die Spannweite unserer Wildgansarten liegt gerade mal bei 175 Zentimeter, während die Flügelspannweite von Kranichen zwischen 180 und 220 Zentimeter liegt. Außerdem sind Beine von Kranichen sind viel länger als die der Wildgänse. Sie ragen im Flug deutlich über die Schwanzfedern hinaus.

Merke
Kranich: Vorne langer Hals hinten lange Beine.
Gans: Vorne langer Hals, hinten nichts.

Die unterschiedlichen Rufe der Kraniche und Gänse

Auch am Boden geben Kraniche keine Ruhe – solange sie im Schwarm sind. Die Rufe beider Vogelgruppen unterscheiden sich deutlich. Dennoch gibt es eine Gemeinsamkeit, Kraniche und Gänse hört man meist schon aus weiter Ferne, denn sie kündigen sich an. Und immer ist etwas mitzuteilen. Stumm fliegende Keile sind fast immer Kormorane oder auch Saatgänse. Ein erhabenes Trompeten „krruu“ und „krarr“ im Wechsel kann eindeutig den Kranichen zugeordnet werden. Zwischendurch ertönt im Herbst auch das Rufen der jungen Kraniche „tschirp“. Gänse dagegen rufen, je nach Art, unterschiedlich, aber nie trompetend. Die Rufe der Gänse ähneln einander, vor allem auf große Entfernung. Graugänse beispielsweise schnattern und quäken, Blässgänse quieken eher und Saatgänse fliegen meist gänzlich stumm. Nonnengänse rufen so, dass sie manchmal kleinen kläffenden Hunden ähneln. Wenn es die zu hunderten fliegend am Himmel gäbe...

Die Flugformationen der Kraniche und Gänse

Vor allem, wenn es über längere Strecken geht, formieren sich die Wildgänse, hier Nonnengänse, auch zu Ketten und Keilen. Häufige Segelphasen, in denen kaum oder gar nicht mit den Flügeln geschlagen wird, sind typisch für Kraniche. Dazu nutzen sie die Thermik um sich durch aufsteigende Winde nach oben zu „schrauben“. Dabei lösen sie die Flugformation kurzzeitig auf und als Vogelbeobachter bekommt man den Eindruck, die großen Vögel kreisten orientierungslos am Himmel. Dieses Verhalten
können wir bei Wildgänsen gar nicht beobachten, denn sie können nicht segeln. Zu schwer mit zu kurzen Flügeln.
Beide Vogelgruppen, Gänse wie auch Kraniche, fliegen typischerweise in Keilformation. Das machen übrigens auch andere größere Vögel wie Kormorane, Möwen, Schnepfenvögel. Dadurch sparen die Tiere Energie ein, indem sie den Windschatten ihres Vordermanns nutzen. Der Energiegewinn kann bis zu 3/4 betragen.

Graue Kraniche – elegant und wunderschön!

Große, elegante Vögel, das sind unsere grauen Kraniche. Da kommen die Gänse einfach nicht mit. Ihr spektakulärer Zug vor allem am Herbsthimmel macht die Kraniche auch dort zu bekannten Vögeln, wo sie als Brutvögel gar nicht vorkommen. Und ihre Schönheit, ihre spektakulären Balztänze haben sie schon im Altertum zu Subjekten der Mythologie gemacht. Als Vögel des Glücks sind sie in Japan bekannt, den alten Griechen war der Kranich ein Symbol der Wachsamkeit und Klugheit. Eigentlich haben alle Völker, in deren Gebiet Kraniche als Brutvögel oder Durchzügler vorkommen, die großen, "stolzen" Vögel ihren Sagenschatz oder ihre Mythologie aufgenommen. Wenn wir aufmerksam geworden durch das trompetende Rufen am Herbsthimmel die Keile der Kraniche nach Südwesten eilen sehen gibt es kaum einen von uns, der nicht gerne mitflöge.

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