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Der Stieglitz wird auch Distelfink genannt. Beides sind sehr brauchbare Namen zum Kennenlernen dieses schönen Kleinvogels. Während sich "Stieglitz" auf den häufig zu hörenden Ruf "stie -glitt" bezieht und wahrscheinlich der ältere und volkstümlichere Name ist, nimmt er andere Name Bezug auf den Nahrungserwerb des bunten Kleinfinken.

 

Kletterkünstler Stieglitz

Im Spätsommer und Frühherbst, wenn die Flugsamen der großen Disteln reifen, kann man Stieglitze in Gruppen von zehn bis dreißig Vögeln dabei beobachten, wie sie auf den alten Blütenständen stehend die Samen aus den Fruchtständen ziehen, die Flugapparate abbeißen und die Samen fressen. Dass Distelsamen durchaus nahrhaft sind, können wir in jedem Supermarkt feststellen, wenn uns dort "Disteloel" angeboten wird. Um Distelsamen fressen zu können, muss ein Vogel relativ leicht sein, gut klettern können, dazu braucht es kräftige aber nicht zu kurze Beine und außerdem sollte er einen spitzen Schnabel haben. All das kann der Distelfink aufweisen. Sein wissenschaftlicher Name Carduelis carduelis weist auf die enge Beziehung zu den Disteln "Carduus" hin.

Stieglitz im Flug

Unter den Nahrungspflanzen des Stieglitz finden sich Ackerdistel, Gänsedistel, Kratzdistel und Karden, aber auch Hirtentäschelkraut, Ampfer, Wegerich, Mädesüß, Vogelmiere, Sonnenblume, Beifuß, Knöterich sowie Kieferzapfen und Birkensamen. Während der Brutzeit frisst er auch kleine Insekten, insbesondere Blattläuse. Manchmal kann man Stieglitze auch auf Rasenflächen beobachten, wenn sie dort fast reife Löwenzahnsamen aus den Fruchtkörbchen der Pflanzen "herausoperieren".  Der Kenner wird ihre Anwesenheit oft am typischen Flugruf "stie - glitt" erkennen können. Beliebte Brutbäume in den Städten sind zum Beispiel die kleinen Kugelahorne auf den Plätzen der Innenstadt, die durch den Schnitt der Äste besonders dichte Kronen bilden.

Auch im Winter zu beobachten.

Noch vor zwanzig Jahren waren Winterbeobachtungen von Stieglitzen sehr selten, heute bleiben sie in weiten Bereichen Deutschlands außer im äußersten Nordosten und in den Gebirgen den Winter über und weichen erst nach Westen und Süden aus, wenn es wirklich kalt wird.
Stieglitze kommen auch an Vogelfütterungen, wenngleich ihnen Sonnenblumenkerne kein ideales Futter sind. Anders als Grünlinge haben sie mit den spitzen längeren Schnäbeln mehr Probleme damit die Spelzen zu entfernen und an den Kern zu kommen. Meisenknödel kommen den geübten Kletterern dagegen entgegen.
 

Jungvogel

Vögel, die weit umherstreifen müssen, um Nahrung zu finden, nämlich dort, wo gerade größere Pflanzenbestände fruchten, können sich die Energie der Revierverteidigung sparen. So ist er immer dort zu finden, wo gerade Wildkräuter Samen tragen. Er kann sie in seinem Kehlsack speichern und über weite Strecken bis zu seiner Brut transportieren, die er aber anfangs mit Insektennahrung füttert. Auch beim Sammeln von Blattläusen und kleinen Raupen kommt ihm sein Pinzettenschnabel zugute.

In Sagen und Mythen hat der kleine Fink Eingang in das Brauchtum gefunden. Natürlich spielte dabei die für europäische Verhältnisse ungewöhnliche auffällige Buntheit eine Rolle, die eine Sage folgendermaßen erklärt: Als Gott die Welt erschuf und allen Vögeln ihre Farben gab, blieb der damals noch unscheinbar braungrau gefärbte Stieglitz bescheiden in der hintersten Ecke sitzen. Schließlich kam er als Letzter zu Gott, der aber keine Farbe mehr hatte. Da kratzte Gott aus jedem Topf einen kleinen Rest zusammen und so kamen der rote Schnabelgrund, der schwarze Scheitel, die schwarzen Flügel und der Schwanz zustande, die gelbe Binde über den Flügeln, die weißen Tupfen an Kopf, Flügeln und Schwanz, der lichtbraune Rücken und die gelbweiße Unterseite.
 

 

Thomas Griesohn-Pflieger

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