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Vogel des Monats Mai: Neuntöter

 

Der Neuntöter zählt zu den charismatischen Vogelarten bei uns. Viele Mythen und Sagen ranken sich um ihn. Sein anderer weniger prosaischer Namen, Rotrückenwürger, konnte sich nicht durchzusetzen.

 

Der Neuntöter ist ein Singvogel, der sich in der Art eines Greifvogel ernährt. Er ist nicht nur in der Lage, Großinsekten wie Käfer und Heuschrecken zu erbeuten, sondern auch kleine Säugetiere wie Mäuse, Reptilien wie Eidechsen und junge Schlangen, Amphibien wie Grasfrösche und auch Vögel kann er überwältigen. Da er seine Beute manchmal auf langen Dornen, oft von Schlehen, aufspießt, wird er auch "Dorndreher" genannt. Dieses Fixieren der Beute kann dazu dienen, sie besser bearbeiten können, zum Beispiel um sie von Stacheln und Giftdrüsen zu befreien oder sie zerlegen zu können. Es ist aber auch gesichert, dass der Neuntöter Dornen und Stacheln von Büschen aber auch von Stacheldraht als Vorratskammer benutzt. Dort aufgespießte Beute wird oft erst nach vielen Tagen aufgesucht und dann verzehrt.

Da der Vogel auf gutes Wetter angewiesen ist, wenn Insekten und Reptilien aktiv sind und auch die Vögel sich präsenter zeigen, kann er in Schlechtwetterperioden auf die aufgespießte Beute zurück greifen.

Dieses Verhalten wurde früher von der Landbevölkerung anders gedeutet. Man glaubte, er würde erst neun Beutetiere aufspießen, bevor er seine Mahlzeit beginnt. Dieser Glauben war weit verbreitet und erklärt eine Vielzahl von regionalen Namen wie Neunmörder, Neunwürger oder Würkengel, Stecher und Spießer. Der Name Dickkopf (Dickkopp) bezieht auf das würgertypische Aussehen. "Würger" bezieht sich auf das Herauswürgen oder Ausspeien von unverdaulichen Nahrungsbestandteilen wie Flügeldecken der Insekten, Mäusefell und so weiter. Dabei macht der Vogel eine sichtlich angestrengten Eindruck.

 

Neuntöter sind ausgesprochene Zugvögel, die jetzt im Mai aus Afrika zurückkehren und im September meist schon vollständig Mitteleuropa geräumt haben. Sie sind auf eine reiches Kleintierleben angewiesen und lieben wie ihre Beute warme Lebensräume wie südexponierte Hänge und Waldränder. Hier haben sie dann eine Vorliebe für dichte Sträucher mit Stacheln und Dornen. Schlehengebüsche, Rosen- und Brombeerdickichte, Weißdornhecken sind typische Lebensräume. Hier werden auch die Nester meist sehr unzugänglich tief im Inneren der Dornbüsche angelegt. Die natürliche Verbreitung der Art scheint im Nordwesten durch häufige Niederschläge, im Norden durch sehr niedrige Tiefsttemperaturen und im Süden entlang der 26°-Juli-Isotherme von sehr trockenem Sommerwetter begrenzt zu sein.

Männliche und weibliche Neuntöter sind sehr unterschiedlich gefärbt. Schwierig ist es, Jungvögel von den Weibchen zu unterscheiden. Siehe obiges Foto. Dort werden Hinweise gegeben. Charakteristisch ist der "Würgerschnabel". Er ist wie bei allen Würgern der Gattung Lanius – kräftig, seitlich abgeflacht und hat einen ausgeprägten Haken sowie eine leichte Zähnung kurz vor der Spitze des Oberschnabels, die in eine entsprechende Vertiefung des Unterschnabels greift.

 

Im Brutrevier sind Neuntöter recht aggressiv gegenüber Artgenossen aber auch andere auch viel größere Vögel werden energisch vertrieben. Selbst Bussarde und Turmfalken werden angegangen. Die Männchen stehen oft weithin sichtbar auf Warten wie trockene Äste, Baum- und Strauchspitzen, Zaunpfähle.

 

Die Intensivierung der Landwirtschaft in der zweiten Hälfte des 20. Jh. hat dem Neuntöter stark zugesetzt. Vielerorts ist er verschwunden. Heute ist der Neuntöter in der Kulturlandschaft oft nur noch in geeigneten Randgebieten zu finden, so zum Beispiel auf brachliegenden, verbuschenden Flächen, auf Kahlschlagflächen und Jungpflanzungen auch innerhalb geschlossener Forsten, an Deponien, Kiesgruben oder Autobahnböschungen und Bahndämmen.

Seit den 1990er-Jahren ist nach den großen Bestandseinbußen der vorigen Jahrzehnte vielerorts eine Stabilisierung oder sogar eine leichte Erholung der verbliebenen Bestände eingetreten. 1994 wurden die Bestände in Europa auf 6,3–13 Mio. Brutpaare geschätzt. Der Bestandstrend ist immer noch leicht rückläufig. Die größte Population ist in Rumänien zu finden, hier leben schätzungsweise 1,4–2,6 Mio. Brutpaare. Ebenso wie in Polen (200.000–400.000 Brutpaare) scheint hier der Trend etwas aufwärts zu gehen. Der deutsche Bestand (90.000–190.000 Brutpaare) ist weitgehend stabil.

 

Thomas Griesohn-Pflieger

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