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Einsteigertipp: Kranich, Wildgans oder Kormoran?

Manche ziehenden Vogelkeile am Himmel werden nicht von Kranichen gebildet, werden aber für solche gehalten. Wir erklären, worauf man achten sollte.

Kraniche und Wildgänse haben ein ähnliches Zugverhalten und oft auch gemeinsame Rastgebiete und Kormorane ziehen in sehr ähnlichen Formationen. Das führt dazu, dass gerade Einsteiger sie nicht immer auseinanderhalten können. Deshalb möchten wir hier einige Hilfen zur Bestimmung geben und zeigen die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale auf.

Kranichflügel wirken eher eckig, denn ähnlich wie bei Geiern und Adlern haben sie sehr lange Federn an den Flügelenden (Handschwingen). Gänseflügel sind dagegen spitz und da ihr Flügel anders gebaut ist, können sie auch nicht kreisen, was Kraniche auf dem anstrengenden Zug bei jeder Gelegenheit tun. Kormorane kreisen durchaus – vor allem auf dem Zug -- aber ihre Handschwingen sind kürzer und sie sind "vorne und hinten" nahezu gleich lang. Beim aktiven Ruderflug legen sie kurze Pausen ein, in denen sie nur gleiten. Das machen Kraniche und Gänse so nicht. 
Gänse schlagen nahezu pausenlos mit den Flügeln, außer beim Landen. Kraniche schlagen ruhig und gleichmäßig ohne die kurzen nur sekundenlangen Unterbrechungen der Kormorane. Wenn sie gleiten dann länger.

Wildgänse sind ein ganzes Stück kleiner als Kraniche. Die Spannweite unserer Wildgansarten liegt gerade mal bei 175 Zentimeter, während die Flügelspannweite von Kranichen zwischen 180 und 220 Zentimeter liegt. Kormorane zeigen die geringste Spannweite zwischen den drei Arten mit 130 bis 160 Zentimetern. Man beachte aber, dass die Graugans eine sehr große Gans ist. Ringelgänse zum Beispiel spannen nur knapp 120 Zentimeter.

Die Beine von Kranichen sind viel länger als die der Wildgänse. Sie ragen im Flug deutlich über die Schwanzfedern hinaus. Kranich: Vorne langer Hals hinten lange Beine. Gans: Vorne langer Hals, hinten nichts überstehendes. Kormorane: vorne und hinten gleich, aber keine überstehenden Beine.
die rufe

Kraniche und Gänse hört man meist schon aus weiter Ferne, denn sie kündigen sich an. Und immer ist etwas mitzuteilen. Stumm fliegende Keile sind fast immer Kormorane oder Saatgänse.
 

 

Häufige Segelphasen, in denen kaum oder gar nicht mit den Flügeln geschlagen wird, sind typisch für Kraniche. Dazu nutzen sie die Thermik um sich durch aufsteigende Winde nach oben zu „schrauben“. Dabei lösen sie die Flugformation kurzzeitig auf und als Vogelbeobachter bekommt man den Eindruck, die großen Vögel kreisten orientierungslos am Himmel. Dieses Verhalten können wir bei Wildgänsen gar nicht beobachten, denn sie können nicht segeln. Zu schwer mit zu kurzen Flügeln.

Beide Vogelgruppen, Gänse wie auch Kraniche, fliegen typischerweise in Keilformation. Das machen übrigens auch andere größere Vögel wie Kormorane, Möwen, Schnepfenvögel. Dadurch sparen die Tiere Energie ein, indem sie den Windschatten ihres Vordermanns nutzen. Der Energiegewinn kann bis zu 3/4 betragen.

Ihr spektakulärer Zug vor allem am Herbsthimmel macht die Kraniche auch dort zu bekannten Vögeln, wo sie als Brutvögel gar nicht vorkommen. Und ihre Schönheit, ihre spektakulären Balztänze haben sie schon im Altertum zu Subjekten der Mythologie gemacht. Eigentlich haben alle Völker, in deren Gebiet Kraniche als Brutvögel oder Durchzügler vorkommen, die großen, "stolzen" Vögel ihren Sagenschatz oder ihre Mythologie aufgenommen. Wenn wir aufmerksam geworden durch das trompetende Rufen am Herbsthimmel die Keile der Kraniche nach Südwesten eilen sehen gibt es kaum einen von uns, der nicht gerne mitflöge.

 

Text und alle Fotos: Thomas Griesohn-Pflieger
 

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