Der Kohlmeise: Ein Vogelporträt
Die Kohlmeise: Meisentruppen und Stimmen
Ein Meisentrupp zieht futtersuchend durch den Vorfrühlingswald. Allen voran mit "Zi-zi-bä” und "tie-hüi« oder auch nur laut und einfach "pink!” die kräftigen Kohlmeisen. Daneben hören wir das leisere Trillern der Blaumeisen und ihre extrem hohen Kontaktrufe "sisjsi". Auch Sumpfmeisen sind mit dabei.
Meisentrupps, die sich aus drei oder sogar mehr Meisenarten zusammensetzen, oft sogar noch ergänzt um Wintergoldhähnchen oder Schwanzmeisen, sind typische Erscheinungen in unseren Wäldern und Parks. Und sobald im Spätwinter die Sonne scheint, verkünden sie auch in den Gärten oder mitten in der Stadt mit ihren lebhaften Rufen den kommenden Frühling. Diese gemischten Trupps verringern für die einzelnen Vögel das Risiko, von Sperber oder Katze getötet zu werden. "Viele Augen sehen mehr als zwei”, ist hier der Grundsatz. Und da viele Meisenpaare auch im Winter Reviere besetzen, fällt es ihnen leichter, mit andersartigen aber nahverwandten Arten, deren Sprache sie verstehen, durch den Wald zu ziehen.
Die Kohlmeise: Warnrufe bei Luftfeinden
Ethologen von der Universität Bochum untersuchten das Feindabwehrverhalten von Meisen und stellten eine differenzierte akustische Luftfeindabwehr fest. Bei den Experimenten wurden dressierte Sperber eingesetzt, die Scheinangriffe auf einen Meisentrupp flogen. Die Meisen reagierten unterschiedlich, ausschlaggebend für ihr Verhalten scheint die Entfernung zu sein, in der sie die Gefahr entdecken konnten. In einer Entfernung von 100 bis 30 Metern von den Meisen reagierten diese mit einem sehr hohen Warnruf mit einer Frequenz von etwa 8000 Hertz. Wurde der Sperber erst später und dadurch schon viel näher am Meisenschwarm entdeckt, so ertönte ein deutlich tieferer Alarmton von etwa 4000 Hertz. Warum nun diese Unterscheidung in Nah- und Fernalarm?
Meisen und Sperber hören unterschiedlich gut. Meisen können, wie viele andere Singvögel auch, die hohen Töne viel besser wahrnehmen, als der Greifvogel. Dieser hört aber die niederfrequenten Töne, wie etwa den Nah-Alarmruf gut. Diese Schwäche machen sich die Meisen zunutze.
Der hohe Ruf, der von den Artgenossen und Verwandten gut wahrgenommen wird, dient als Warnruf “Achtung, Luftfeind nähert sich, volle Deckung”. Da der Sperber diesen Ruf nicht wahrnehmen kann, macht ihn der Alarm auch nicht auf die potenzielle Beute aufmerksam. Dagegen hört er den Nah-Alarmruf sehr genau. Diesen könnte man (sehr stark "vermenschelt”) übersetzen mit: “Wir haben Dich entdeckt, du Vogelräuber!”. Sperber und Habicht sind in der Unübersichtlichkeit des Waldes auf den Überraschungseffekt bei der Jagd angewiesen. Deshalb könnte diese Enttarnung für sie die Fortsetzung des Beuteflugs erübrigen. Ein gemeldeter Überraschungsangriff ist eben keiner mehr.
Kohlmeise: Ansiedlung, Lebenserwartung und Jungvögel
Kohlmeisen lassen sich in Gärten leicht ansiedeln. Als Höhlenbrüter nehmen sie gerne selbstgebaute oder auch gekaufte Nistkästen an. Wer die Nisthilfen selber baut, sollte bedenken, dass das Einschlüpfloch mindestens 32 Millimeter weit sein muss, ansonsten passen die großen Meisen nicht hinein. Übrigens besteht ein Zusammenhang zwischen der Größe des Geleges und der Größe des Nistkastens. Je größer der Kasten ist, um so mehr Eier legen die Weibchen hinein und umso mehr Jungvögel fliegen aus. Das heißt aber nicht, dass man mit Hilfe von Nistkästen den Bestand von Kohlmeisen in's Unermessliche steigern könnte. Denn neben der Höhlengröße spielen noch andere Faktoren beim Aufzuchterfolg der Meisen mit. Zu nennen wären hier der Zeitpunkt des Wohnungbezuges (je früher, desto mehr Eier) und das Nahrungsangebot in den Meisenrevieren. In Nadelwäldern und den meisten Gärten reicht es nicht aus, um die volle Kapazität auszunutzen. Maximalzahlen werden dagegen in Laubwäldern erreicht.
Die Kohlmeise: Geschlechter
Übrigens auch bei den Kohlmeisen lassen sich die Geschlechter leicht unterscheiden, was vielen Menschen unbekannt ist. Reicht der schwarze Bauchstrich von der Kehle bis zwischen die Beine ist es ein Meisenmann, reicht der dünnere Bauchstrich nur bis zum Unterbauch ist eine Meisenfrau. Probiert es mal aus!
Thomas Griesohn-Pflieger