Der Grünfink: Ein Vogelporträt

Der Grünfink: Ein Vogelporträt

Der Grünfink zählt zu den Kulturfolgern unter den Finkenvögeln. Wir haben in Siedlungen bessere Chancen seinen trillernden Gesang zu hören, als in “Wald und Feld”. Kein Wunder, denn er bevorzugt Strukturen, wie sie heute noch am ehesten in Gärten anzutreffen sind:

  • Rasen- und Wiesenflächen auf denen er Löwenzahnsamen und andere Früchte ernten kann
  • Heckenstrukturen zum Bau des versteckten Nestes und zur Beerenernte
  • Einen Mix aus hohen und kleinen Bäumen; von dort lassen die männlichen Vögel ihren kanarienvogelähnlichen Gesang ertönen

Als typischer Kulturfolger ist er häufiger Gast an der winterlichen Vogelfütterung, wo er manchmal mit aufgerissenem Schnabel andere Vögel androht um seine Dominanz zu zeigen. Den Kernbeißer kann er damit allerdings nicht beeindrucken, der jagt den grünen Verwandten mit seinem noch größeren und dickeren Schnabel fort. 

 

Typischer Fink: dicker Schnabel

Grünfink auf einem Ast

Mit seinen 15 cm Körpergröße ist der Grünfink so groß wie ein Hausspatz. Der helle,  hornfarbene Schnabel ist sehr kräftig ausgebildet – typisch Körnerfresser. Das Gefieder ist grün, an der Flügel- und Schwanzkanten zeigt er gelbe Ränder. Flügelspitzen und das Schwanzende sind schwarz. Weibliche Grünfinken sind eher braungrau mit leichter Streifung an den Flanken gefärbt, die Jungvögel im ersten Sommer zeigen Beige auf Bauch und Brust und eine starke Streifung. Grünfinken zählen zu den häufigen Brutvogelarten Deutschlands.

Singen und Flugvorführung

Grünfink schaut in die Kamra

Den Grünfink oder Grünling ist ein tagaktiver, geselliger Fink, der schon im Spätwinter das herannahende Frühjahr mit seiner unverwechselbaren Stimme anzeigt. Und das können wir wörtlich nehmen, denn er singt nicht nur, wie andere Vögel auch, von den Spitzen von Bäumen, sondern überrascht uns auch mit Flugvorführungen. Von Baumspitzen oder auch einer Dachantenne trägt er seinen Gesang vor, der oft Vorspiel ist für einen fledermausartig gaukelnden Singflug. Der Gesang besteht aus trillernden und “rollenden” Tönen verbunden mit klingelnden Elementen. Der Grünfinkengesang ist in der heimischen Vogelwelt kaum zu verwechseln. Die oft anschließende Flugvorführung stellt die Leistungskraft und Fitness des Sängers unter Beweis und damit seine “Ehetauglichkeit”.  

“Porridge” für die Kinder

Grünfink von der Seite

Das Nest bauen die Grünlinge, wie sie auch genannt werden, gut versteckt in Hecken und Gebüsch. Die Grünfinken bevorzugen dazu immergrüne Pflanzen, da sie schon früh im Jahr mit dem Nestbau beginnen, wenn die meisten Hecken noch kein dichtes Laub entwickelt haben. So sorgen sie für eine gute Tarnung des Nestes. Meistens wird zweimal im Jahr gebrütet.

Wie bei anderen Kleinvögeln werden die Grünfink-Kinder rund zwei Wochen von beiden Elternteilen gefüttert. Anders als bei den Insektenfressern sieht man die Grünfinken nie Futter tragen, da sie die gesammelten Sämereien im Kropf einweichen und dann verfüttern. Deshalb verteidigen sie keine großen Reviere, sondern besuchen Samen tragende Sträucher, Wiesenflächen oder Stauden, wo sie sie finden.

Treffpunkt Futterhaus

Grünfinken sind überwiegend Standvögel, die wir im Winter oft an Futterhäusern beobachten und kennenlernen können. Dort verhalten sie sich, auch untereinander, recht dominant. Zu beobachten, wie sie Sonnenblumenkerne geschickt im Schnabel hin- und herdrehen, sie so knacken, dass die Schalen rechts und links vom Schnabel herunterfallen und sie dann den Kern zerbeißen und schlucken, zeigt wie geschickt sie ohne Hände auskommen.
Im Winterhalbjahr sind sie sehr gesellig und bilden mit anderen Finkenvögeln, wie Distelfinken und Hänflingen aber auch Goldammern oft große Trupps.

Vorsichtig und misstrauisch

Da Grünfinken noch bis ins vergangene Jahrhundert (und heute noch rund ums Mittelmeer) von Menschen gefangen wurden, um sie zu essen oder sie als Zeitvertreib in Käfigen zu halten, sind sie Menschen gegenüber immer noch misstrauisch. Wir können wenige Meter an ihnen vorbeigehen, aber sobald wir stehenbleiben und Interesse zeigen, fliegen sie ab. Sie sind sowohl sehr anpassungsfähig, aber auch misstrauisch gegenüber uns Zweibeinern.

Achtung Seuche! Wichtig für alle Grünfinkfreund*Innen

Beim NABU gehen seit dem ersten Auftreten im Sommer 2009 regelmäßig Meldungen zu erkrankten oder toten Grünfinken ein. Grund dafür ist der Einzeller Trichomonas gallinae. Als Infektionsquelle kommt neben dem direkten Kontakt der Tiere untereinander vor allem Trinkwasser an Futterstellen in Frage, in dem der Erreger bis zu 24 Stunden überleben kann. Krankheitssymptome sind in erster Linie starkes Aufplustern, lethargisches Verhalten, fehlender Fluchtreflex, oder auch Schluckbeschwerden. Die Tiere sterben dann innerhalb kurzer Zeit. Sobald ein kranker oder toten Grünfink gefunden wird, muss sofort die Fütterung eingestellt werden. Tränken müssen entfernt werden, denn auch Auswaschen schützt nicht vor Infektionen. Der NABU: “Nach den Ergebnissen der großen NABU-Gartenvogelzählung, der „Stunde der Gartenvögel“, nehmen die Bestände des Grünfinken seit 2013 bundesweit stark ab.”

 

Thomas Griesohn-Pflieger

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