Heimische Gartenvögel füttern

Heimische Gartenvögel richtig füttern: 6 Tipps vom Experten

Ein Gastbeitrag von Erdenfreund

Vögel im eigenen Garten zu beobachten ist dann am leichtesten, wenn man ein Futterhäuschen aufhängt. Wer Gartenvögel artgerecht füttern möchte, sollte auf ein paar Details achten – vom richtigen Zeitpunkt bis zum passenden Futterhaus. Mit den folgenden sechs Tipps wird aus der Fütterung eine echte Hilfe für die Vögel in jeder Jahreszeit.

Tipp #1: Der richtige Zeitpunkt zum Füttern

Am wichtigsten ist die Fütterung, sobald Frost und Schnee das natürliche Nahrungsangebot knapp werden lassen – meist ab der zweiten Winterhälfte. Wer schon im Herbst mit dem Füttern beginnt, hat einen Vorteil: Die Vögel gewöhnen sich frühzeitig an die neue Futterstelle und finden sie zuverlässig, wenn es wirklich darauf ankommt. Ein später Start funktioniert zwar auch, dauert aber oft ein paar Tage länger, bis die ersten Gäste die Stelle entdecken.

Beginnt man einmal mit der Zufütterung, ist es wichtig, während der kalten Monate auch konstant weiterzufüttern. Die Tiere richten sich nach verlässlichen Futterquellen, und der plötzliche Ausfall einer solchen Quelle kostet sie wertvolle Energie, die sie eigentlich für die Kälte brauchen.

Immer mehr Vogelfreunde und Experten füttern inzwischen sogar ganzjährig, da auch im Frühling und Sommer natürliche Nahrung knapper wird. Grund dafür sind der Rückgang von Insekten und blühenden, heimischen Wildpflanzen. Beides sind Folgen von versiegelten Flächen und aufgeräumten Gärten, in denen heimische Wildkräuter und -blumen kaum noch Platz haben und damit auch weniger Insekten zu finden sind. Insekten sind für die meisten Gartenvögel aber eine wichtige Nahrungsquelle.

Nistkasten
©Gundula Vogel - Pexels.com

Tipp #2: Das richtige Futter wählen

Nicht jeder Vogel frisst dasselbe Futter. Je nach Schnabelform und Ernährungsweise lassen sie sich grob in zwei Gruppen unterscheiden:

 

  • Körnerfresser wie Finken oder Spatzen haben kräftige Schnäbel und mögen Sonnenblumenkerne, Hanf und andere Sämereien.
  • Weichfutterfresser wie Rotkehlchen, Amsel oder Zaunkönig picken dagegen lieber am Boden nach Haferflocken, Rosinen oder kleinteiligem Mischfutter.

 

Wichtig sind dabei hochwertige Zutaten und die richtige Zusammensetzung, damit die Vögel alle wichtigen Nährstoffe erhalten. Neben Vogelfuttermischungen können auch protein- und energiereiche Zusätze wie getrocknete Insekten, Sonnenblumenkerne oder Erdnüsse sinnvoll sein. Sie sind für die Tiere schmackhafte Leckerbissen und sorgen auch dafür, dass die Futterstelle gerne und schnell angenommen wird.

Wer beide Gruppen anlocken möchte, ist mit einer Kombination aus Körner- und Weichfutter am besten beraten. Besonders praktisch sind fetthaltige Mischungen im Winter, wie beispielsweise Meisenknödel. Sie sprechen sowohl Körner- als auch Weichfutterfresser an, da das enthaltene Fett die sonst fehlende tierische Kost ersetzt und den Vögeln zusätzliche Energie für kalte Tage liefert. 

Tipp: Beim Kauf darauf achten, dass die Meisenknödel ohne Plastiknetz verpackt sind. Die Netze können für die Tiere lebensgefährlich sein und verursachen zudem vermeidbaren Plastikmüll. Netzlose Knödel können in einem speziellen Spender oder einfach im Vogelfutterhaus angeboten werden.

©Gundula Vogel - Pexels.com

Während der Brut- und Aufzuchtzeit von April bis Juli gilt eine Ausnahme: Ganze Fettfutterknödel, große Körner, Erdnussstücke und ganze Sonnenblumenkerne sind für Jungvögel ungeeignet, da sie daran ersticken können und das Futter nur schwer verdauen. Schalenfreies, feinkörniges Fettfutter ist dagegen auch in dieser Zeit geeignet, da es leicht verdaulich ist und den Elterntieren hilft, ihre Jungen gut zu versorgen.

Tipp #3: Was im Futterhaus nichts zu suchen hat

Ebenso wichtig wie die Frage nach dem richtigen Futter ist die Frage nach dem falschen. Brot gehört definitiv nicht ins Futterhaus – es quillt im Magen der Vögel auf, kann zu Verdauungsproblemen führen und verdirbt zudem schnell, sobald es feucht wird.

Auch gesalzene Lebensmittel wie Speck oder Salzkartoffeln sowie andere Küchenreste haben dort nichts verloren. Salz entzieht den kleinen Körpern der Vögel Flüssigkeit und kann in größeren Mengen sogar zu gesundheitlichen Schäden führen.

Milchprodukte sind ebenfalls ungeeignet, da Vögel Milchzucker nicht verdauen können. Grundsätzlich gilt: Alles, was nicht zur natürlichen Nahrung von Gartenvögeln zählt, sollte auch nicht im Futterhaus landen.

Tipp #4: Das richtige Futterhaus wählen

Die Bauweise eines artgerechten Vogelfutterhauses spielt eine wichtige Rolle dabei, ob es angenommen wird oder nicht. Empfehlenswert sind Modelle aus naturbelassenem, witterungsbeständigem Massivholz, das mit einem schadstofffreien, wasserabweisenden Naturöl behandelt wurde.

©Erdenfreund
©Erdenfreund

Ein ausreichend überstehendes Dach schützt das Futter zusätzlich vor Nässe, und kleine Öffnungen im Boden verhindern, dass sich Feuchtigkeit staut.

Lacke oder Kunststoff sollten nicht verwendet werden, da sich Rückstände auf das Futter übertragen können. Wichtig ist außerdem, dass sich das Häuschen leicht öffnen und reinigen lässt, denn nur so bleibt die Hygiene an der Futterstelle auch langfristig gewährleistet.

Wer beim Kauf zusätzlich auf regionale Materialien und eine langlebige Verarbeitung achtet, tut damit nicht nur den Vögeln, sondern auch der Umwelt einen Gefallen. Neben einem Futterhaus kann übrigens auch eine Vogeltränke im Garten dabei helfen, die Vögel zusätzlich bei der Flüssigkeitsaufnahme zu unterstützen. Auch hier ist aber Hygiene wichtig: Das Wasser sollte regelmäßig gewechselt und die Tränke gereinigt werden, damit sich keine Bakterien verbreiten!

 

Tipp #5: Die Futterstelle sauber halten

An gut besuchten Futterstellen kommen viele Vögel auf engem Raum zusammen und das ist ein idealer Nährboden für Krankheitserreger. Die folgenden Punkte machen die Fütterung deutlich sicherer:

 

  • Futterspender wählen, in denen die Vögel nicht selbst im Futter herumlaufen und es mit Kot verschmutzen können.
  • Futterhäuschen einmal pro Woche mit heißem Wasser reinigen und dabei auf chemische Reinigungsmittel verzichten.
  • Nur so viel Futter nachlegen, wie innerhalb weniger Tage aufgebraucht wird, damit nichts schimmelt oder durchnässt.
  • Bereitgestelltes Trinkwasser regelmäßig austauschen, da fauliges Wasser ebenfalls Krankheiten begünstigen kann.

 

Sollten trotz sorgfältiger Hygiene wiederholt kranke oder tote Vögel an der Futterstelle auftauchen, empfiehlt es sich, die Fütterung für einige Zeit auszusetzen. Kranke oder tote Tiere sollten möglichst nur mit einer Plastiktüte oder Handschuhen angefasst werden.

 

Tipp #6: Der passende Standort für ein Vogelfutterhaus

Die Futterstelle sollte übersichtlich liegen, damit sich Katzen nicht unbemerkt anschleichen können. Gleichzeitig helfen nahe Büsche oder Bäume den Vögeln, sich bei Gefahr schnell in Deckung zu bringen. Ein Abstand von etwa zwei bis drei Metern zur nächsten Deckungsmöglichkeit gilt als guter Richtwert.

Sinnvoll ist außerdem eine wetterabgewandte Ausrichtung Richtung Osten oder Südosten, geschützt vor starkem Wind und direkter Sonneneinstrahlung. So bleibt das Futter länger trocken und frisch und Schimmelbildung wird vorgebeugt.

Ein häufig unterschätztes Risiko sind zudem spiegelnde Fensterscheiben in der Nähe: Vögel erkennen Glas nicht als Hindernis und können daran tödlich verunglücken. Wer eine Futterstelle in Fensternähe plant, sollte die Scheiben entsprechend markieren oder von vornherein etwas Abstand einplanen.

 

 

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