Ein Interview mit Falke-Chefredakteur Wolfgang Fiedler
Wer Vögel beobachtet, sieht oft nur einen Ausschnitt: einen Trupp ziehender Kraniche, einen rastenden Limikolen, einen Weißstorch auf dem Horst oder den ersten Fitis im Frühjahr. Was diese Beobachtungen im größeren Zusammenhang bedeuten, erforscht Dr. Wolfgang Fiedler seit vielen Jahren. Am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie in Radolfzell leitet er die Zentrale für Tiermarkierung „Vogelwarte Radolfzell“ und arbeitet zu Vogelzug, Beringung, Trackingtechnik und den Auswirkungen veränderter Umweltbedingungen auf Vögel.
Seit 2022 ist er zudem Chefredakteur von DER FALKE. Damit verbindet er wissenschaftliche Forschung mit der Aufgabe, ornithologische Themen für ein breites, naturkundlich interessiertes Publikum einzuordnen. Im Interview spricht Dr. Fiedler über seine persönliche Begeisterung für Vögel, über das, was moderne Tiermarkierung sichtbar macht, über Weißstörche, Citizen Science, Vogelgrippe — und darüber, wie ein Heft von DER FALKE entsteht.
Persönliches
1. Herr Dr. Fiedler, wie sind Sie eigentlich zu den Vögeln gekommen? Gab es ein konkretes Erlebnis oder eine Art, die Ihre Leidenschaft für die Ornithologie entfacht hat?
Ein Grundinteresse an Tieren hatte ich schon immer. Und dann hatte ich das Glück, am Bodensee aufzuwachsen und relativ früh in die sehr aktive Ortsgruppe des damaligen Deutschen Bund für Vogelschutz (heute Nabu) hineingerutscht zu sein. Da fand sich dann die Clique zusammen, die mit Begeisterung Vögel beobachtet hat und mit der Vogelwarte Radolfzell mit den dortigen Profi-Ornithologen vor der Tür hat sich der Rest fast von selbst ergeben.
2. Wenn man beruflich so intensiv mit Vögeln zu tun hat — als Wissenschaftler, Leiter der Zentrale für Tiermarkierung und Chefredakteur von DER FALKE: Bleibt da privat noch Zeit und Lust, einfach mit dem Fernglas loszugehen?
Bei Wanderungen und Spaziergängen ist das Fernglas immer griffbereit dabei und ein interessanter Vogel am Wegrand – oder auch vor dem Fenster beim Zahnarzt - wird immer beachtet und möglichst eine Weile beobachtet. Das ist ein Reflex, den man gar nicht ablegen kann, denke ich. Intensive Birding-Touren bei Wind und Wetter, um um jeden Preis noch eine Art mehr zu sehen, sind aber bei mir zugegebenermaßen inzwischen sehr selten geworden.
3. Wenn Sie privat unterwegs sind: Gibt es Orte oder Landschaften, die Sie gerade wegen ihrer Vogelwelt immer wieder anziehen?
Vielleicht liegt es daran, dass ich am Bodensee aufgewachsen bin: Feuchtgebiete haben auf mich schon immer eine besonders starke Anziehungskraft. Und dort kommen Vogelfreunde ja auch recht zuverlässig auf ihre Kosten.
Forschung, Vogelzug und Tiermarkierung
4. Sie beschäftigen sich besonders mit der Phänologie von Vogelwanderungen — also mit dem zeitlichen Ablauf von Zug, Rast, Ankunft, Brut und Mauser. Was verrät uns dieser Jahresrhythmus der Vögel, und was wissen wir heute darüber, was vor wenigen Jahrzehnten noch kaum sichtbar war?
Wir konnten gerade durch die neuen Technologien in den letzten Jahren viele Zugwege und die Lage vieler Wintergebiete auch seltener und wenig bekannter Arten aufklären. Wir haben bei etlichen Zugvogelarten inzwischen sehr gute Vorstellungen davon, welche Zugstrategien sie verfolgen, wie diese sich im Laufe des Lebens ändern und wie flexibel – oder eben auch starr – die Individuen sich im Zugverhalten zeigen. Und wir können jetzt ganz sicher sein: die meisten Vogelarten ändern ihr Zugverhalten ständig. Von keiner Art können wir sagen: jetzt sind Zuwege und Winterquartier erforscht – Haken dran und fertig. Obwohl es eigentlich sehr nahe liegt, dass das Zugverhalten wie viele andere Verhaltensweisen auch ständig an wechselnde Umweltbedingungen angepasst werden muss, höre ich immer wieder den Satz „jetzt müsst Ihr den Vogelzug doch langsam mal erforscht haben“. Das ist mit Sicherheit nicht der Fall. Bei einigen Arten haben wir inzwischen eine so gute Datengrundlage, dass wir uns die zugrundeliegenden Mechanismen genauer ansehen können: wie wird Vogelzug gesteuert? Welche Rolle spielen die Gene? Wie funktioniert die Orientierung? Und ganz wichtig: wir haben wesentlich mehr über Gefährdungen und Verlustursachen gelernt. Was aber leider noch nicht automatisch heißt, dass die Gesellschaft bereit ist, aus den vielen neuen Erkenntnissen auch die nötigen Konsequenzen zum Erhalt der Arten zu ziehen.
5. Wie flexibel sind Zugvögel angesichts von Klimawandel, veränderter Landnutzung und neuen Nahrungsquellen?
Einige sind sehr flexibel – und das sind die derzeitigen Gewinner. Arten, die ein flexibles Zugverhalten zeigen (besonders günstig derzeit: Teilzugverhalten, also ein Teil der Population zieht, ein Teil bleibt und egal wie der Winter wird, eine Fraktion lag immer richtig), deren Nahrungserwerb durch gegenwärtige menschlichen Aktivitäten gefördert wird (von der Amsel auf dem Zierrasen bis zur Möwe auf der Mülldeponie) und die es auch noch schaffen, in vom Menschen intensiv genutzter Landschaft zu brüten, kommen derzeit gut zurecht. Extreme Weitzieher (z.B. Sprosser oder Sumpfrohrsänger) haben dagegen offenbar eher ein starres Zugverhalten und zeigen sich wenig flexibel. Diesen Arten geht es derzeit auch gar nicht gut bei uns.
6. Sie leiten die Zentrale für Tiermarkierung an der Vogelwarte Radolfzell. Was kann uns ein markierter Vogel erzählen — und welche Rolle spielt die klassische Beringung heute neben GPS-Sendern, Loggern und großen Datenplattformen?
Der klassische Ring ergibt uns zwei Punkte aus dem Leben des Vogels: bei der Beringung und beim Fund. Manche Vögel werden auch zwischendurch lebend gefangen oder gesichtet. So entstehen Lebensgeschichten, die uns jeweils kleine Bruchstücke über Brutgebiete, Brutverhalten, Zug- und Überwinterungsverhalten, Sterblichkeiten und Lebensalter, deren geografische Varianz sowie über die Jahre hinweg auch zu Änderungen dieser Kenngrößen liefern. Bei der Vogelberingung haben wir solche Daten seit über 100 Jahren und können sie weiterhin in großer Breite mit relativ geringem Aufwand und vor allem sehr kleiner Last für die Vögel sammeln. Die Telemetrie mit elektronischen Geräten liefert uns viel mehr Daten von viel weniger Individuen und vor allem – da müssen wir ehrlich sein - bei höherer Belastung der Tiere. Bevor ich einem Vogel einen Sender zumute, muss ich mir wirklich sehr genau überlegen, ob der erwartete Nutzen die Belastung für das Tier aufwiegt. Und dann wird es Fälle geben, wo ich es sein lasse, aber eine Beringung noch tolerierbar wäre. Man könnte also sagen, die Beringung bringt uns „breite“ Daten mit vielen Individuen über große Flächen und viele Jahre, die Besenderung bringt uns „tiefe“ Daten mit vielen Details zu wenigen Individuen und meist nur bei eng umgrenzten Populationen. Die Kombination von beidem ist überaus reizvoll.
7. Auf der MPI-Seite ist von einem „intelligenten Ring“ die Rede, der klassische Vogelringe mit Trackingtechnik verbinden soll. Was ist die Idee dahinter — und warum eignet sich der Weißstorch besonders gut, um solche neuen Methoden zu erproben?
Für große Vögel liegt die Idee nahe, die immer kleiner werdende Elektronik eines Senders in den Ring direkt einzubauen. Als Ring am Bein stört sie den Vogel auch weniger als auf dem Rücken und hat geringeren aerodynamischen Einfluss. Der Weißstorch ist besonders gut für diese Entwicklung geeignet, weil er mit seinen rund 4 kg problemlos einen 15 Gramm schweren Sender tragen kann, regelmäßig weite Wanderungen zeigt und gut zu beobachten ist.
8. Manche Weißstörche überwintern heute näher an ihren Brutgebieten oder bleiben in Europa. Was sagt uns das über Anpassung, Risiken und menschliche Einflüsse?
Auch hier wird derzeit Flexibilität und Nutzung Menschlicher Aktivitäten belohnt. Die Störche westlich der Elbe ziehen größtenteils nach Südfrankreich und Spanien und nutzen dort Mülldeponien als verlässliche Nahrungsquelle. Diese Strategie erweist sich unterm Strich derzeit als erfolgreich, auch wenn auf den Mülldeponien für die Einzelindividuen vielleicht ein höheres Gesundheitsrisiko durch Giftstoffe oder Plastikteile bestehen mag. Störche, die heute noch bis Westafrika fliegen, haben ein recht hohes Risiko, geschossen zu werden. Also gesteigerte Überlebenschancen durch Müll in Spanien und reduzierte Chancen durch Verfolgung in Mali. Hier können wir direkt sehen, wie der Mensch Einfluss auf Zugverhalten nimmt.
9. In den letzten Jahren hat die Vogelgrippe auch Wildvogelpopulationen in Mitteleuropa stärker getroffen. Welche Fragen versucht die Forschung hier aktuell zu klären?
Wir haben erstmals Ausbrüche in einem Ausmaß gesehen, die an die Substanz einzelner Populationen ging, z.B. der Brandseeschwalbe im Wattenmeer oder des Basstölpels auf Helgoland. Eine wichtige Frage ist, wie sich so schwere Ausbrüche verhindern lassen und wie man im Ausbruchsfall am besten reagiert (z.B. hinsichtlich Entfernung von Kadavern aus Brutkolonien, aber auch die Frage nach dem Sinn von Geflügelaufstallung bei Virusnachweis in Wildvögeln). Wichtig ist aber auch zu verstehen, wie schnell sich eine Art, die schon anderweitig unter Druck steht, von solchen Seuchenereignissen erholen kann. Und schließlich sind die Transport- und Übertragungsmechanismen des Virus noch längst nicht völlig verstanden. Es greift zu kurz, für alles die Geflügelindustrie verantwortlich zu machen. Von dort mögen die gefährlichen Virenformen herkommen, aber sie zirkulieren längst unter den Wildvögeln und brauchen kein Geflügel mehr, um schwere Ausbrüche auch unter seltenen Vogelarten auszulösen.
10. Welche Bedeutung haben ehrenamtliche Beringerinnen, Beringer und andere Citizen Scientists für die heutige Vogelzugforschung?
Die Bedeutung ist enorm groß. Der Datenschatz, den Vogelbeobachter und Vogelberinger (vollkommen geschlechtsunabhängig) über das Leben der Vögel von ihrem Vorkommen bis zu ihrem Verhalten angesammelt haben und weiter ansammeln steht unter allen Organismengruppen auf der Erde einmalig da. Entsprechend wissen wir auch über Vögel, ihr Leben, ihr Verhalten und ihre Verbreitung mehr, als über alle anderen Tierarten.
11. Sie arbeiten auch an Projekten zu Arten wie Schwarzstorch, Rotmilan, Wespenbussard oder Brachvogel. Wie können Bewegungsdaten konkrete Schutzmaßnahmen verbessern?
Wir wissen dann, wo die tatsächlichen Probleme für diese Arten liegen: ist es im Brutgebiet? auf dem Zug? Im Wintergebiet? Spielt die Bejagung eine Rolle oder entscheiden eher Lebensraumverluste, Nahrungsmangel oder Wettereinflüsse über das Überleben? In welchem Land, in welcher Region liegen die Probleme? Und welchen Raumbedarf und welche Ansprüche an den Lebensraum haben die Tiere? All das lässt sich mit gut gemachten Telemetriestudien klären. Dann liegt es zumindest nicht mehr am Kenntnismangel als beliebter Ausrede, wenn beim Schutz nichts voran geht.
DER FALKE
12. Sie sind seit 2022 Chefredakteur von DER FALKE. Welche Aufgabe hat eine ornithologische Zeitschrift heute zwischen Fachwissenschaft, Citizen Science und naturinteressierter Öffentlichkeit?
Ich denke, im besten Falle informieren wir zu unserem Fachgebiet auf unterhaltsame Weise. Der langjährige Chefredakteur Einhard Bezzel hat das ganz passend als „Feuilletonstil“ bezeichnet. Den FALKE nimmt man sich vor, wenn man sich abends nochmal gemütlich hinsetzt und keine Lust mehr auf wissenschaftliche Fachartikel, Gutachten oder Sitzungsprotokolle hat, die man eigentlich auch noch lesen müsste. Dann soll es in erster Linie Spaß machen, etwas im FALKE zu stöbern. Natürlich müssen wir darauf achten, weder zu speziell noch zu trivial daherzukommen und manche Beiträge spalten auch die Gemüter, ob sie jetzt „viel zu abgehoben“ oder „viel zu flach“ oder „endlich mal genau richtig“ waren.
13. Welche Themen oder Fragen beschäftigen die Leserinnen und Leser von DER FALKE derzeit besonders — und merken Sie daran auch, wie sich die Vogelbeobachtung verändert?
Um Änderungen festzustellen bin ich vielleicht noch nicht lange genug im Redaktionsgeschäft. Ich habe den Eindruck, die meisten Leser interessiert ein breites Spektrum an Themen, aber selten wirklich das volle, gesamte Spektrum der Vogelkunde. Es gibt immer etwas, das für verzichtbar gehalten wird. Für den Einen sind das Beiträge zum Körperbau von Vögeln, für den Anderen Beiträge mit geschichtlichem Hintergrund und wieder jemand findet die Beiträge über Vogelgebiete in fernen Ländern verzichtbar. Zugleich haben aber diese Themenbereiche auch ihre ausgewiesenen Fans. Wohl jedem Vogelinteressierten sind Themen zu Schutz und Arterhalt wichtig, aber nur Negativschlagzeilen und Alarmberichte sollen es natürlich auch nicht sein.
14. Wie kann man sich die Arbeit an einer Ausgabe von DER FALKE konkret vorstellen — von der Themenidee bis zum fertigen Heft?
Zunächst einmal gehen wir von der Fachredaktion mit möglichst offenen Augen durch die Welt und versuchen, interessante Themen zu finden und sie passenden Autoren schmackhaft zu machen, hier und da auch selbst Artikel zu verfassen. Parallel dazu kommen Themen- und Manuskriptangebote zu mir, die, wenn sie sozusagen ein FALKE-taugliches Stadium erreicht haben, in einem Speicher landen, aus dem ich dann versuche, die Hefte mit ausgewogenem Themenspektrum zusammenzustellen. Wenn möglich sollte natürlich auch ein gewisser jahreszeitlicher Bezug bestehen, also mehr zu Gesang und Brutbiologie im Frühjahr und mehr zum Vogelzug im Herbst, bestimmte Rubriken werden in bestimmten Zeitabständen beliefert und schließlich ist das Druckseiten-Volumen vom Verlag vorgegeben. In der Regel möchte ich mehr der mir vorliegenden, spannenden Themen unterbringen, als dann tatsächlich ins Heft passen. Für solche Fragen wie auch das Layout und alles weitere Drumherum wie Anzeigenverwaltung, Herstellung, Versand und Vermarktung ist der Aula-Verlag zuständig. Die Beitragsautoren bekommen ihre fertig gestalteten Beiträge nochmals zur Endprüfung zugeschickt und eine Verlagsmitarbeiterin und ich lesen jeden Beitrag nochmals durch. Kurz vor Monatsmitte gehen die Vorlagen dann an die Druckerei und die fertigen Hefte landen in den letzten Tagen vor dem betreffenden Monat bei den Leserinnen und Lesern. Gelegentlich entschließen wir uns zu Heften mit Themenschwerpunkt und es entsteht pro Jahr zusätzlich ein Sonderheft, über dessen Hauptthema und mögliche Beiträge wir beim jährlichen Treffen von Verlag und Fachredaktion beraten.
15. Sind alle im Team selbst passionierte Vogelbeobachter — oder braucht es für ein gutes ornithologisches Magazin auch Menschen mit ganz anderen Stärken?
Das ist tatsächlich so, Vogelbeobachter sind alle. Zusätzlich kann jeder noch einen Schwerpunkt einbringen, sei es als Naturschutz-Profi, als Wissenschaftler, als Avifaunist oder etwa mit gutem historischem Hintergrund. Unverzichtbar ist aber auch ein Spezialist für Vogelfotos. Den haben wir zum Glück mit Jochen Fünfstück. Gleichzeitig hat es sich als wichtig erwiesen, Leute aus Nord, Süd, Ost und West im Team zu haben, denn die Themenschwerpunkte unterscheiden sich deutlich zwischen Wattenmeer und Watzmann.
16. Kommt es vor, dass ein aktueller Fund, eine neue Studie oder eine ungewöhnliche Beobachtung kurzfristig die Heftplanung durcheinanderbringt?
Bei Einzelbeiträgen kann es das geben, aber ein ganzes Heft haben wir in meiner Zeit nie kurzfristig umgeworfen. Eher kommt es schon vor, dass ein Beitrag kurzfristig eingereicht wird und dann ganz schnell erscheinen soll, z.B. weil ein Aufruf fürs Monitoring drin ist, das eben sinnvollerweise zu bestimmten Jahreszeiten starten muss. Dann muss man ggf. etwas schieben und ein anderer Beitrag rutscht ins nachfolgende Heft.
17. Gibt es in der Redaktion Arten oder Themen, über die besonders gern diskutiert wird?
Ob das nun so sehr gern passiert, glaube ich weniger, aber sehr viele Diskussionen drehen sich früher oder später um Gefährdungs- und Schutzaspekte. Es gibt eben leider ganz wenige Themen, wo dieser Aspekt nicht von Bedeutung wäre.
Ein Blick in die Zukunft
18. Welche Entwicklung in der Vogelwelt sollten interessierte Beobachterinnen und Beobachter in den nächsten Jahren besonders aufmerksam verfolgen?
Auf jeden Fall beobachtbare Änderungen aller Art: neue Verhaltensweisen, zeitliche Verschiebungen im Brutverhalten, im Zugverhalten, bei der Mauser, aber auch einfach beim Auftreten von Arten in Regionen, aber auch in Lebensräumen. Hier tut sich derzeit sehr viel und wir müssen lernen, dass Natur auch immer Wandel bedeutet. Solchen Wandel zu registrieren gelingt fast nur mit viel ehrenamtlicher Hilfe – eine der ganz starken Seiten der Vogelkunde. Diese Änderungen zu erfassen und dann gemeinsam zu versuchen, sie zu verstehen ist überaus spannend. Und es vermittelt, was Biologie wirklich prägt: nicht idealisierte Darstellungen von Zitratzyklus, Meiose und Mitose in staubigen Lehrbüchern sondern ein andauernder Wandel und eine stetige Anpassung der Organismen an neue Umweltbedingungen. Anpassung natürlich mit unterschiedlichem Erfolg – man kann auch aussterben. Das sollte auch der Mensch nicht ignorieren.