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Der Wiedehopf – ein Stinkevogel

Jahr für Jahr erstaunt es mich, wie Millionen Vögel im Frühjahr zeitgenau aus ihren weit entfernten Winterquartieren in ihre europäischen Brutgebiete zurückkehren. Gerade die Langstreckenzieher legen dabei zigtausende Kilometer zurück, teilweise im Nonstopflug über die Sahara und das Mittelmeer. Dazu zählen Störche, Pirole, Mauersegler und Schwalben sowie Neuntöter, die kleinen Hänflinge und unser Wiedehopf. Nach den Strapazen über dem Meer kommen die Alpen, hier können plötzlich auftretende Kaltfronten mit Stürmen und Starkregen sie am Weiterflug nach Norden hindern. Nicht selten überleben die Tiere nach einem schon langen und kräftezehrenden Flug diese Strapazen nicht. Umso erfreulicher ist es dann, wenn Ende März die ersten Wiedehopfe in Südbaden am Kaiserstuhl eintreffen und beste Brutbedingungen vorfinden.

 

Wiedehopf Österreich Christoph Moning
Wiedehopf (C. Moning)
Wiedehopf Deutschland Volker Sthamer
Wiedehopf (V. Sthamer)

Der Wiedehopf ist eine wärmeliebende Vogelart, dessen Brutgebiete in klimatisch begünstigten und vor allem in niederschlagsarmen Gebieten liegen. Er besiedelt ebenso wenig dichte, geschlossenen Wälder wie auch baumlose Acker- und Wiesengebiete. Der Wiedehopf kommt bevorzugt in offenen Landschaften mit einem mehr oder weniger lockeren Baumbestand vor. Seine Brutplätze hat er zum Beispiel bei uns in Baden in extensiv bewirtschafteten Weinbergen, Streuobstwiesen sowie in verwilderten, großen Gärten mit alten Baumbeständen. Sein Nest, welches aus ein paar lose übereinander gelegten Pflanzenteilen besteht, baut er in einer Baumhöhle, einem Astloch, einer Felsspalte oder in einer verlassenen Spechthöhle. Da diese selten geworden sind, fördern wir von birdingtours das Anbringen von Nistkästen. Die circa 100 Hektar großen Reviere werden in der Regel ab Anfang April besetzt. Anfang Mai legt das Weibchen die Eier und brütet diese alleine aus. Das Männchen versorgt derweilen die Partnerin mit Futter. Während der Nestlingszeit verteidigen sich die Jungen durch Zischen, Fauchen und durch gezieltes Kotspritzen gegen Feinde, wie etwa den Marder. Rund um das Nest riecht es deshalb äußerst streng. „Stinkevogel“ wird er genannt und in dem Spruch „Er stinkt wie ein Wiedehopf“ fidnet sich diese Erfahrung, die das Lanvolk früher wohl öfter machte auch wieder. 

 

Wiedehopf Österreich Christoph Moning
Wiedehopf (C. Moning)

Bei der Nahrungssuche bevorzugt der Wiedehopf weichen und vegetationsarmen Boden bevorzugt. Bevorzugte Nahrungsflächen sind deshalb Magerrasen, kurzrasige Grünlandflächen, gemähte Streuobstwiesen und offene Brachen. Die Nahrung besteht aus kleinen Tieren wie Insekten und deren Larven. In manchen Gebieten macht die Maulwurfsgrille die Hauptnahrung aus. Aber auch Spinnen, Schnecken und Würmer werden verzehrt, die er mit seinem langen Schnabel aus der Erde oder hinter der Baumrinde hervorholt.  Eine Zweitbrut ist selten, ab Anfang Juli aber durchaus möglich.

Wiedehopf Israel Thomas Griesohn-Pflieger
Wiedehopf (T. Griesohn-Pflieger)
Wiedehopf Ungarn Dr. Kovacs Gabor
Wiedehopf (K. Gabor)

Das Verbreitungsareal des Wiedehopfes reicht in Europa vom Mittelmeer bis an die Ostseeküste. Auch in Asien und in Afrika ist er in einer sehr ähnlichen Art auch beheimatet. Die Zugvögel beziehen ihre Winterquartiere südlich der Sahara beziehungsweise Indiens. In Mitteleuropa erreicht der Wiedehopf in Deutschland und Polen seine nördlichsten Brutverbreitungsgebiete. In Deutschland wird aktuell mit 650 bis 800 Revieren gerechnet, davon liegen über 200 Reviere in Baden-Württemberg. Der derzeit größte Bestand innerhalb Deutschlands siedelt in den klimatisch kontinental beeinflussten Sandgebieten im Osten der Republik. Weitere Verbreitungsschwerpunkte liegen im Rhein-Main Gebiet sowie am südlichen Oberrhein mit Schwerpunkt im Bereich des durch Weinbau geprägten Kaiserstuhls. Der Wiedehopf war bis in die 1970er Jahre ein verbreiteter Brutvogel in Baden Württemberg. Danach brachen die Bestände drastisch ein. Bis Ende der 1980er gab es in Baden-Württemberg kaum noch Brutpaare dieser seltenen Vogelart. Im Kaiserstuhl führten dann durch intensive Artenschutzmaßnahmen wie das Pflanzen von Hochstammobstbäumen und das Anbringen von Nisthilfen eine Zunahme von aktuell weit über 100 Brutpaaren, Tendenz steigend.

 

Ein wirklich gelungener Vormittag mit intimen Beobachtungen seltener und attraktiver Vögel!

Christoph Hercher

 

Unsere Vogelbeobachtungsreisen

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