
Schmutzgeier J. Griesinger

Schuppengrasmücke I. Weiß

Ziegenmelker Kai Gauger
Nach unserer Landung in Tel Aviv fahren wir mit dem Bus zu unserer ersten Basis am nördlichen Toten Meer, wo wir zwei Tage in spektakulärer Kulisse verbringen. Sofern es die Zeit erlaubt, machen wir abends noch einen Beobachtungsgang ums Hotel, um uns mit den häufigeren Arten dieser Region vertraut zu machen beispielsweise Jerichonektarvogel, Palmtaube und Gelbsteißbülbül.
Das Kalia Hotel im Kibbutz Kalia liegt unweit des tiefsten Punkts der Erde, direkt am Toten Meer. Von hier aus erkunden wir am Morgen des zweiten Tages den Ein-Gedi Nationalpark mit seinen wasserreichen Wadis und Quellen inmitten der Salzwüste. Tristramstare, Wüstenprinien, Borstenraben und Arabische Wüstenhühner teilen sich die Felsen hier mit Säugetieren wie dem Klippschliefer und dem imposanten Nubischen Steinbock. Den Rest des Tages verbringen wir mit Vogelbeobachtungen an den Ufern des Toten Meeres, wo wir unter anderem Chancen auf Braunliest und Stentorrohrsänger haben. Natürlich besteht auch die Gelegenheit für ein Bad in dem Salzsee.
Am dritten Tag fahren wir nach dem Frühstück zu einem der zumindest zur Zugzeit besten Greifvogelbeobachtungspunkte Israels und der gesamten Westpaläarktis. Hier zählten wir bei unseren Reisen im Frühjahr 2010 und 2011 innerhalb von wenigen Stunden Tausende Greifvögel 16 verschiedener Arten viele „Steppenbussarde“, Schrei-, Steppen-, Zwerg- und Schlangenadler, Schmutzgeier usw. sowie Weiß- und Schwarzstörche, teilweise im direkten Vorbeiflug.
Einige Zeit verbringen wir im Laufe des Tages damit, in der Judäischen Wüste nach der seltenen Wüstenammer und dem Einödgimpel zu suchen. Außerdem versuchen wir, die zu dieser Jahreszeit durchziehende Schuppengrasmücke zu entdecken, die nur auf Zypern Brutvogel ist. Den Abschluss des Tages bildet eine Nachttour, bei der wir zwei der seltensten nachtaktiven Arten der Westpaläarktis sehen wollen: den Nubischen Ziegenmelker und den Fahlkauz.

Küstenreiher TGP

Steppenadler

Isabellensteinschmätzer TGP

Knacklerche TGP
Am Morgen des vierten Tages fahren wir südwärts entlang des Großen Grabens zu unserer zweiten Station, dem Ketura Hotel im Kibbutz Ketura nördlich von Eilat, wo wir fünf Nächte verbringen werden. Von dort aus werden wir das südliche Arava-Tal und die Berge um Eilat erkunden. Auf dem Weg machen wir mehrere Beobachtungsstopps, unter anderem in einem Naturschutzgebiet im Arava-Tal, welches eine der letzten israelischen Populationen der seltenen Akaziengrasmücke beherbergt. Nachdem wir am frühen Nachmittag unsere Hotelzimmer bezogen haben, besuchen wir den Nordstrand in Eilat. Weißaugenmöwen und Raubseeschwalben patroullieren regelmäßig entlang des Ufersaums des Roten Meeres. Bei unseren vergangenen Reisen konnten hier auch Küstenreiher, Mangrovenreiher und Graufischer beobachtet werden. Zahlreiche durchziehende Möwen, darunter auch die in größerer Zahl im Norden Israels überwinternden Fischmöwen, Armenier- und Tundramöwen erhöhen das Potenzial spannender Arten. Etwas weiter auf dem Meer können mit Glück Dunkle Sturmtaucher, Schmarotzer- und Falkenraubmöwen ausgemacht werden. Unvergesslich ist es, den an guten Zugtagen nicht versiegen wollenden Strom aus Greifvögeln zu beobachten, der unablässig über das Meer dem Land entgegenstrebt.
Die nächsten Tage im äußersten Süden Israels werden wir intensiv nutzen, uns mit den regelmäßigen Durchzüglern und den häufigeren Brutvögeln der Region vertraut zu machen. Die Grasflächen, Büsche und Sträucher um unser Hotel werden dominiert von Grasmücken verschiedener Arten, Grauortolan und Ortolan. Regelmäßig sind hier auch Wendehals und Wiedehopf, Blaumerle, Isabellsteinschmätzer und vieles mehr zu beobachten.
Wir besuchen die besten Gebiete in den Bergen Eilats mit Chancen auf Steppenadler, Schreiadler, Steppenweihe, Adlerbussard, „Steppenbussard“, Fischadler, Wüstenfalke und zahlreiche weitere Greifvögel, teilweise in großer Zahl, sowie Wasserflächen und Salinenanlagen mit Flamingos, Sichlern und viele Limikolen, eventuell Rosapelikanen sowie Dattelplantagen nördlich der Stadt und landwirtschaftliche Gebiete um die Kibbutze Yotvata und Lotan im Herzen des Arava-Tals. Weiter nördlich liegen mit den Feldern und Klärteichen von Neot Smadar weitere Magneten für Zugvögel. Diese Gebiete sind zu dieser Jahreszeit voll mit Durchzüglern, die sich noch mit den letzten Überwinterern treffen: Singvögel sind überall und in großer Zahl zu sehen: Blaukehlchen, Pieper, Grasmücken, Stelzen und mehrere Steinschmätzer-Arten können erwartet werden. Der Himmel in Südisrael ist zu dieser Jahreszeit gewöhnlich voll von Schwalben und Seglern.
Eine Hauptattraktion im Süden Israels im März ist die Vielfalt der brütenden, überwinternden und durchziehenden Lerchen. In den Wüstengebieten des Arava-Tals entlang der jordanischen Grenze leben die letzten israelischen Paare der Wüstenläuferlerche. Bergkalanderlerchen sind regelmäßige Durchzügler und immer wieder in den Gruppen der häufigen Kurzzehenlerchen zu finden. Sand- und Steinlerche sind immer anzutreffen, Saharaohrenlerchen lassen sich meist mit etwas Glück entdecken, gelegentlich auch die extrem seltene Einödlerche. Bei unseren Reisen 2010 und 2011 konnten wir darüber hinaus die nomadisch auftretende Knackerlerche beobachten (2011 sogar Hunderte).
Neben den Zugvögeln liegt ein weiterer Schwerpunkt auch im äußersten Süden Israels auf den Schätzen der einheimischen Arten. Drei Arten der "schwarz-weißen" Steinschmätzer (Kappen-, Schwarzrücken- und Saharasteinschmätzer), mehrere Flughuhn-Arten, Wüsten- und Weißflügelgimpel, Smaragdspint, Graudrossling, Schwarzschwanz und Wüstenprinie seien als Beispiele genannt. Bei einer Abendexkursion haben wir die Chance, Wüstenuhus zu sehen und weitere Möglichkeiten, den Fahlkauz zu finden. Ein Abend wird außerdem dem Besuch einer traditionellen Trinkstelle des Wellenflughuhns, einem der spektakulärsten und geheimnisvollsten Vögel des Nahen Ostens, gewidmet. Wellenflughühner können nur selten bei Tage beobachtet werden. Der Besuch der abendlich bei letztem Licht aufgesuchten Trinkstellen bietet meist die einzige Möglichkeit, diesen seltenen Vogel zu sehen.

Grauortolan TGP

Kronenflughuhn TGP

Saharasteinschmätzer TGP

Stummellerche C. Moning

Sonnenuntergang am Toten Meer (Foto: TGP)
Entlang des Great Rift Valleys geht es nach Nordwesten in die Negev-Wüste. Auf dem südlichen Negev-Plateau wollen wir bei verschiedenen Beobachtungsstopps auf dem Weg neben Greifvogelzug auch typische Wüstenvogelarten wie Wüsten- und Weißflügelgimpel, Wüstensteinschmätzer und viele Flughühner beobachten. Am Nachmittag besuchen wir mehrere Stellen in Mitzpe Ramon, um einige an Felsen gebundene Arten (beispielsweise Steinschwalbe, Schwarzrücken- und Saharasteinschmätzer)zu sehen. Die nächsten zwei Nächte verbringen wir im Isrotel Ramon Inn in Mitzpe Ramon.
Ein früher Start ist am nächsten Morgen nötig, um die entlegene Wildnis des Grenzgebiets zu Ägypten bei Nizzana zu erleben. Diese Region ist die letzte verbliebene Hochburg im Nahen Osten für die global vom Aussterben bedrohte Steppenkragentrappe, einem weiteren Highlight der Tour. Der scheue Vogel, der in dieser Jahreszeit seine imposante Balz vollzieht, lässt sich am besten bei allererstem Tageslicht beobachten. Die Region um Nizzana ist sehr wild und landschaftlich enorm beeindruckend. Hier sind auch Wölfe, Rennvögel und vier Arten von Flughühnern Sand-, Spieß-, Tropfen- und Kronenflughuhn, deren Trinkplätze wir besuchen werden, beheimatet. Zahlreiche Lerchenarten, darunter die Stummellerche, sind hier relativ verbreitet. Zudem ist die wunderschöne, helle Wüstenform des Steinkauzes (Unterart „lilith“) recht häufig. Ein besonderes Erlebnis ist es, Tausende Weißstörche und Kraniche inmitten der Wüste rastend anzutreffen. Wir werden die Gegend um Nizzana bis zum frühen Nachmittag erkunden und von dort zunächst zum Yerucham-See („Afrikanisches“ Purpurhuhn, Enten, Limikolen) und dann nach Sdeh Boker fahren.
Sdeh Boker bildet die südliche Verbreitungsgrenze für viele Vogelarten Nordisraels und ist damit bestens geeignet, um die Artenliste der Tour mit typisch europäischen Vogelarten zu bereichern. Es ist ein völlig anderer Eindruck, den Amsel, Kohlmeise, Buch- und Grünfink in dieser wüsten Gegend vermitteln.